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Biodiversität bei der GWG

 06.10.2010

Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2010 zum Internationalen Jahr der Biodiversität erklärt. Dadurch soll die Weltbevölkerung die Vielfalt des Lebens auf der Erde besser kennen lernen und aufgerufen werden sie zu schützen. Im Mittelpunkt steht nichts Geringeres als der Wert und die Bedeutung der Vielfalt des Lebens auf der Erde für das Überleben der Menschheit.

Der „Nutzungsdruck“ auf unsere Natur- und Kulturlandschaft wird immer stärker. Der Landverbrauch für Siedlung, Verkehrswege, Industrie und Gewerbe nimmt immer noch deutlich zu. Die moderne Landwirtschaft, die immer mehr nach industriellen Maßstäben produziert, lässt kaum mehr Raum für die natürliche Artenvielfalt. Grünland wird entweder mit intensivem Düngereinsatz bewirtschaftet oder in Ackerland gewandelt. Extensiv genutzte, magere Offenlandflächen werden immer seltener. Aber gerade auf den mageren, gering genutzten Flächen findet sich die größte Vielfalt an Pflanzen und Tieren. Der intensive Bau- und Siedlungsdruck im Randbereich der Städte erfordert in Hinblick auf den Artenschutz mehr und mehr konsequenten Umgang mit den innerstädtischen Freiflächen. Die Artenvielfalt der "Stadtnatur" wird zu einem entscheidenden Zukunftsthema.

Die Gemeinnützige Wohnungsbau Gesellschaft Ingolstadt besitzt, als kommunales Wohnungsbauunternehmen, im Umfeld ihrer 6.500 Wohnungen etwa 35 ha Freiflächen. Das Motto "Wohnen im Grünen" ist für das Unternehmen keine leere Worthülse, vielmehr sind die weitläufigen, parkähnlichen und gepflegten Grünanlagen ein wichtiger „Wohlfühl-Aspekt“ für die Mieter und Bürgerinnen und Bürger der Stadt. Das grüne Outfit trägt auch deutlich zum guten Image der Gemeinnützigen" bei. Die Pflege der Freiflächen wird durch den eigenen Regiebetrieb Grünanlagenpflege bewerkstelligt. Ein erheblicher Teilbereich der Grünanlagenpflege umfasst das Mähen der Rasenflächen. Neben dem übergeordneten Ziel, den Mietern jederzeit gepflegte, d.h. möglichst nicht länger als vor 10 Tagen gemähte, gut betretbare, Rasenflächen anzubieten, stellt die wirtschaftliche Durchführung des Rasenschnitts eine wichtige Herausforderung dar.

Während der letzten 20 Jahre wurden im Unternehmen verschiedene Mähtechniken in Hinblick auf praktische Tauglichkeit und Wirtschaftlichkeit getestet. Neben wirtschaftlichen Kriterien spielt auch die Auswirkung des Rasenmähens auf die floristische und faunistische Artenvielfalt eine wichtige Rolle. Mähverfahren, die das Schnittgut aufnehmen, haben auch einen „Absaugeffekt“ und das massenweise Abtöten von Kleinlebewesen und Pflanzensamen zur Folge. Wirtschaftlichkeit und technische Machbarkeit bestimmten jahrzehntelang die gärtnerische Züchtung von pflegeleichten Gräsern. Aus der Vielfalt von Gräsern und Kräutern wurden einige wenige sogenannte "taugliche" Arten heraus selektiert und sind heute Bestandteil der Regelsaatgut-mischungen. Aus Vielfalt wurde Einfalt. Neben der bisherigen Zielsetzung der Bereitstellung von attraktiven, gepflegten Freiflächen (positives Image) und der wirtschaftlichen Pflege hat die Gemeinnützige Wohnungsbau Gesellschaft Ingolstadt im Jahr 2005 begonnen Freiflächen unter der Zielsetzung: Sicherung und Verbesserung der Artenvielfalt neu zu gestalten. Der Start war die so genannte Robinson'sche Blumenwiese an der Herschelstraße.

Robinson'sche Blumenwiese
und Brutraum für Insekten mitten im Wohnquartier


Am 14. Juli 2005 war es soweit, die Gärtner der Gemeinnützigen Wohnungsbau Gesellschaft Ingolstadt begannen mit der Pflanzung und Ansaat der so genannten Robinson'schen Blumenwiese zwischen den großen Wohngebäuden Herschelstraße 35 und 37 und Guerickestraße 2. Auf einer Gesamtfläche von knapp 1500 m2 waren mehr als 4500 Stauden zu pflanzen. Die gärtnerischen Bedingungen waren extrem: Der Boden kein Humus, sondern steiniger, kiesiger Untergrund und das Wetter sonnig und heiß. Doch bevor die Gärtner anrückten wurde detailgenau geplant.
Basierend auf der Idee des irischen Gärtners und Naturfreundes William Robinson (1838-1935) entwickelte das Ingolstädter Büro GartenLandschaftsArchitekturBeyer ein ungewöhnliches Konzept zur Neugestaltung der Außenanlagen. Nach einer umfangreichen Sanierung der dortigen Großwohnanlagen aus den späten 1960er Jahren sollte auch eine Verbesserung der Grünflächen folgen. Nachdem die Asphaltfläche eines unattraktiven Bolzplatzes entfernt war, entstand Platz für eine großzügige Blumenwiese.

Die Verantwortlichen der Gemeinnützigen Wohnungsbau Gesellschaft waren begeistert. Geschäftsführer Peter Karmann: "Wir wollen der Natur zwischen unseren Wohngebäuden mehr Raum geben". So wurden am 14. Juli 2005 insgesamt mehr als 4500 Stauden mit Topfballen gepflanzt, dazwischen wurde eine hochwertige Kräuter-/Blumenmischung der Fa. Rieger-Hofmann ausgesät. Im September folgten zusätzlich 5000 Blumenzwiebeln, die in den steinigen Boden gesteckt wurden. Robinsons Idee war es, durch eine Kombination von gärtnerisch kultivierten Pflanzen und Wildpflanzensaat eine vom zeitigen Frühjahr bin in den späten Herbst blühende Wiese zu schaffen. Von so vielen Blüten werden natürlich auch die Mieter begeistert sein, da sind sich Planer und Vermieter einig. Insgesamt wurden 75 Pflanzenarten gepflanzt, gesät und gesteckt, die überwiegende Mehrzahl üppig blühend. Eine nahezu logische Weiterentwicklung war dann die Schaffung einer großen Bienenbrutwand.

Gärtnermeister Rudolf Wittmann von der Gemeinnützigen entwickelte mit Volker Fockenberg, Betreiber des Unternehmens www.wildbiene.com und dem Landschaftsarchitekten Georg Beyer ein Konzept für eine große Wildbienen-Brutwand. Die Praxisklasse der Herschelschule fertigte ein Stahlgerüst mit Dach, quasi das Haus für die Bienenwand. Ende Mai 2006 bauten dann engagierte Naturschützer, Mieter und Mitarbeiter der Gemeinnützigen eine drei Meter breite und zwei Meter hohe Wand aus alten Ziegelsteinen, Lehm, gebohrten Baumstämmen, hohlen Tonziegeln und Gebinden aus markigen und hohlen Pflanzenstängeln. Obendrauf fanden noch Bienenhotels von wildbiene.com Platz. Insbesondere die Kinder hatten viel Spaß an der "Lehmbatzerei", ganz selbstverständlich war auch Geschäftsführer Peter Karmann mit von der Partie und konnte so Erfahrungen in der Lehmbauweise sammeln. Mittlerweile sind bereits zahlreiche Wildbienen und Einsiedlerwespen eingezogen und tragen fleißig Pollen und Nektar für ihre Nachkommen von der üppig blühenden großen Wiese herbei.

Die Entwicklung der floralen Vielfalt wird durch die Biologin Sabine Grünberg untersucht. Bisher (Stand 2009) konnten im Bereich der Robinson'schen Blumenwiese insgesamt 199 Pflanzenarten nachgewiesen werden. Dies ist erstaunlich, denn ausgebracht wurden nur 75 Arten.

Weiterentwicklung und Perspektiven

Die Wiese an der Herschelstaße wurde zwischenzeitlich erweitert (die Erweiterungsfläche wird beim o.g. Monitoring nicht erfasst). In anderen Wohngebieten wurden ähnliche Wiesenprojekte (Keplerstraße, Lessingstraße, Breslauer Straße) umgesetzt, die Flächen betragen (Stand 2010) ca. 5.000 m2. Für das Jahr 2011 ist die Umsetzung einer weiteren großen Wiesenfläche an der Richard-Strauß-Straße geplant. Aufgrund der Erkenntnisse der vergangen Jahre wird künftig noch mehr auf die Entfernung der nährstoffreichen Oberbodenschicht und den Einbau von magerem Kiessubstrat geachtet. Aus Kostengründen und wegen der unerwünschten Verschiebung der natürlichen Artenvielfalt wird die Pflanzung gärtnerische kultivierte Stauden in den Wiesenprojekten deutlich reduziert.

Biodiversität Wiesenprojekt

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